farbwelt

Autorinnen und Autoren schreiben den Lernenden

Liebe Schülerin, lieber Schüler…

Wie sprechen Autorinnen und Autoren Lernende an? Welche Haltungen werden in den Texten sichtbar? Auszüge aus Einleitungstexten zu aktuellen Lehrwerken vermitteln Antworten.

Peter Uhr

Bei der Planung dieses Beitrags hatten wir uns überlegt, mit Zitaten aus Lehrwerken verschiedener Herkunft und verschiedener Epochen aufzuzeigen, auf welche unterschiedliche Arten die Autorinnen und Autoren verschiedener Lehrmittel mit Lernenden kommunizieren. Weil das fast unvermeidlich mit Wertungen verbunden gewesen wäre, haben wir uns entschieden, es den Leserinnen und Lesern zu überlassen, sich mit einem Blick in verschiedene Schulbücher ein eigenes Urteil über die Haltungen hinter den gewählten Kommunikationsansätzen zu bilden. 

«Lesehilfe»

Vielleicht achten Sie beim Lesen der Ausschnitte auf folgende Kriterien für gute bzw. nicht optimale Kommunikation:

  • Wird ein Gefälle von der «wissenden Autorität» zum unwissenden Kind spürbar?
  • Werden die Adressatinnen und Adressaten für voll genommen, als Partner, die aber in ihrer Entwicklung natürlicherweise an einem anderen Ort stehen als die Erwachsenen?
  • Ist es vorstellbar, dass die Schreibenden sich in die Welt der Schülerinnen und Schüler versetzen können?
  • Sprechen die Autorinnen und Autoren auch von sich, ihrer Begeisterung, ihren Unsicherheiten? Wirken ihre Worte authentisch oder (zu) sehr auf Wirkung bedacht?
  • Wirkt das Mutmachen und Lustmachen natürlich oder etwas aufgesetzt-pädagogisch?
  • Glimmt da und dort auch eine kleine, entspannende Prise Humor auf?

Die Auswahl im nachstehenden Beitrag besteht aus Einleitungstexten aus Lehrmitteln, die aktuell in vielen Schulen der deutschen Schweiz im Gebrauch sind.

Das älteste Beispiel stammt aus dem «mathbu.ch 7», das unterdessen durch die Neubearbeitung «mathbuch 1» abgelöst wurde. Die Autorinnen und Autoren waren die Einzigen, die explizit zur Zwei-Weg-Kommunikation eingeladen haben.

Fast gleichzeitig mit dem «mathbu.ch» ist Anfang der 2000er Jahre «Sprachwelt Deutsch» erschienen. In der ersten wie in der überarbeiteten Neuausgabe wenden sich die Autorinnen und Autoren wie folgt an die Schülerinnen und Schüler:

Die Autorinnen und Autoren schreiben über ihre eigene Faszination betreffend die Welt der Sprache und hoffen, etwas von dieser Faszination möge auf die Lernenden überspringen.

Die Metapher von den Kontinenten, die es zu entdecken gilt, verwenden auch die Autoren von «Kolumbus», einem neueren Lehrmittel. Das klingt dann so:

Hier geht es um die Beschäftigung mit sich selbst, seinen Interessen und Stärken. Dies als Vorbereitung auf die auf der Sekundarstufe I folgende berufliche Orientierung. Die Autoren schaffen dem Kind gegenüber Transparenz, indem sie darauf hinweisen, dass auch die Eltern ein Heft bekommen. Sie erhoffen sich davon, dass die Eltern-Kind-Kommunikation damit erleichtert wird.

Um eine etwas andere Form der Orientierung in der Welt geht es bei «Fragezeichen», einem interreligiösen Geschichtenbuch für die Mittelstufe. Den 10- bis 12-Jährigen wird u.a. klar gemacht, dass das Nachdenken und Philosophieren über «Gott und die Welt» nicht eine bierernste Sache sein müsse.

Das Jahrgangsmaterial des Französisch-Lehrmittels «Mille feuilles» besteht aus mehreren Magazinen. Hier ein Beispiel aus dem Einleitungstext eines Magazins der 4.-Klasse:

Mit der Aufforderung «Sors de ta bulle!», also «Komm aus dir heraus!», werden die Kinder ermutigt, mit der teils noch fremden Sprache spielerisch umzugehen, Reime zu erfinden und ihre Kreationen auf einer Bühne zu präsentieren. 

Auf einer anderen Stufe findet sich das Lehrmittel zum Projektunterricht «Projekte realisieren». Die Lernenden erhalten Gelegenheit, ihre Fantasien mittels erprobter Prozessschritte zu in die Wirklichkeit zu überführen. Darum lassen die Autoren in der Einleitung primär Gleichaltrige zu Wort kommen, die schon eigene Projekte realisiert haben.

Aus Sicht der unterrichtenden Lehrperson kann es durchaus zwiespältig sein, wenn die Autorinnen und Autoren mit den Schülerinnen und Schülern direkt kommunizieren. Dies vor allem dann, wenn Inhalt und Stil sich von jenen der Lehrperson stark unterscheiden. Aber vermutlich müssen es beide Seiten ertragen, dass es jeweils noch andere «Köche» gibt, die das Menü der Klasse optimal zu würzen versuchen. Die Autorenseite weiss darum, dass es letztlich die Lehrperson ist, die ihr Werk darreicht und zum Leben erweckt. Und die Lehrpersonen (wie die Lernenden übrigens auch) haben mit den didaktischen Ideen und dem Sprachstil der jeweiligen Autorenteams klarzukommen. 

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