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PR als Führungsaufgabe

Kommunikation findet statt – also gestalte ich sie

Der Schulleiter einer kleinen Schulgemeinde kommuniziert offensiv und leidenschaftlich, ­aber auch selbstkritisch und hat damit Erfolg.

Hansruedi Hediger

Daniel FriedrichThomas Rüegsegger unterrichtet seit ­21 Jahren ausschliesslich an altersgemischten Klassen (Oberstufe 5. bis 9. Klasse in Bleiken, seit 1994 in Homberg 1. bis 6. und 1. bis 4. Klasse). Er war von Anfang an auch als Schulleiter tätig und ist seit gut 10 Jahren unterwegs als Referent oder Dozent zum altersgemischten Lernen. Seit kurzem hat er eine Anstellung mit diesem Fokus am IWB der PHBern.

Eine komplizierte Gemeindestruktur mit fünf Schulhäusern – das ist die «Schule linkes Zulggebiet» oberhalb Thun, wo Thomas Rüegsegger Schulleiter ist.

Man muss Menschen mögen

Im Gespräch mit Thomas Rüegsegger merke ich rasch: Er kommuniziert gerne und spricht mit Leidenschaft über «seine» Schule. Ist er ein Naturtalent der Kommunikation? Er verneint: «Überhaupt nicht! Kommunikation hat mich zwar immer interessiert, schon während der Ausbildung im Seminar. Aber vieles musste ich mir erarbeiten, sei es in der Schulleiterausbildung oder in einer intensiven Fortbildung über ‹Kommunikation und Führen in der Schule – Grundlagen kollegialer Kommunikation›. Die Ausbildung hat in mir eine Haltung bestärkt: Man muss Menschen mögen und achten und im Gespräch nicht Überlegenheit demonstrieren. Die Überzeugung meines Gesprächspartners ist ebenso ‹richtig› wie meine. Seine persönlichen Werte und Normen sind für mich stets unantastbar, ich respektiere sie. Ob ich damit Erfolg habe? In diesem Zusammenhang ist dies für mich ein problematisches Wort! Letztendlich will ich, dass Kommunikation gelingt und meine Botschaft ankommt.»

Tu Gutes und sprich darüber

Die Affinität zur digitalen Kommunikation fällt auf. Mit Freude pflegt und bewirtschaftet Thomas Rüegsegger die Webseite der Schule und den Blog. Er lädt für Kollegen und Kolleginnen Texte, Bilder und sogar Filme ins Netz. «Es fägt!», meint er. Und das kauft man ihm sofort ab. Auch die schriftliche Kommunikation im Kollegium läuft selbstverständlich über Mail und neuerdings auch über die Dropbox, einen Speicher im Internet, wo wichtige Dokumente und Mitteilungen gespeichert und für die Lehrpersonen von überall her abrufbar sind. «Ich erinnere mich daran, dass es früher bei uns sogar zu den Anstellungsbedingungen gehörte, täglich die Mailbox zu leeren.»

Dass die Schule Homberg oft als «gute Schule» erwähnt wird, kommt nicht von ungefähr. Thomas Rüegsegger versteht es, mit Pressemitteilungen und Blogeinträgen über besondere Ereignisse auf die kleine Schule aufmerksam zu machen. «Dabei geht es mir überhaupt nicht um eine Selbstbeweihräucherung», betont er, «aber wir zeigen damit, dass wir eine aktive und attraktive Schule sind. Darauf können wir doch stolz sein. Viele Schulen machen zwar Gutes, zeigen es aber zu wenig.»

Mit Kommunikation zum Erfolg

Immer wieder kommt Thomas Rüegsegger auf die Schulreform zu reden. Er erzählt von den Anfängen im Jahre 2004, der Eröffnung zweier altersgemischten 7. bis 9. Klassen mit Sekundar- und Realniveau, von Klassenschliessungen und der Notwendigkeit neuer Schulstrukturen, von den «Gräben» zwischen dem unteren und dem oberen Teil der Gemeinde und den anfänglichen Schwierigkeiten einer sachlichen Kommunikation zwischen Schule, Behörden und Eltern. «Kommunikation im Fokus bei Strukturwandel» heisst denn auch der Titel seiner Zertifikatsarbeit zur Schulleiterausbildung. Von Anfang an waren ihm das Mitspracherecht und damit die Wertschätzung der Lehrpersonen, der Eltern und der Behördenmitglieder zentral.

Aus einem Workshop mit allen Interessierten, begleitet und moderiert durch das IWB der PHBern, resultierten zum Beispiel im Winter 2011 verschiedene Schulmodelle, die zum Teil weiter verfolgt wurden.

Im letzten Februar schliesslich fand der letzte grosse Informationsanlass statt. Die wenigen noch auftauchenden Probleme konnten dank klar festgelegter Kommunikationsregeln gelöst werden. 

Thomas Rüegsegger ist überzeugt, dass die Befindlichkeit und die Leistungsbereitschaft aller Beteiligten stark von der Qualität und Professionalität der Kommunikation abhängen und dass hier der Schlüssel zum Erfolg liegt.

Doch er hat auch erfahren müssen, dass solche Prozesse viel Zeit brauchen und oft nur kleine Schritte möglich waren. «Manchmal gelang die Kommunikation auch nicht, das musste ich akzeptieren. Den Widerstand gegen das Projekt konnte man nicht brechen, sondern nur schmelzen. Hart in der Sache, aber fair im Ton – diese Haltung hat sich immerhin bei allen Beteiligten durchgesetzt, und schon das alleine ist ein Erfolg.»

Und so konnte nach der im Jahr 2009 erfolgten Zusammenlegung aller beteiligten Schulen der Strukturwandel zur «Schule linkes Zulggebiet» erfolgreich abgeschlossen werden.

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