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Kommunikationskultur an Schulen

Was nach aussen wirken soll, muss zuerst nach innen geklärt sein

Jede Schule, ihre Schulleitende und ihre Lehrpersonen würden gerne von der Umwelt und ­der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen. Kann die Organisation Schule dazu bewusst etwas beitragen?

Daniel Friederich

Daniel FriedrichRegula Tanner-Brunner, Dozentin für Kader- und Systementwicklung, Institut für Weiterbildung PHBern

Das Gespräch mit Regula Tanner, Dozentin für Kader- und Systementwicklung am Institut für Weiterbildung der PHBern, eröffnet machbare Ansätze für jede Schule.

Schule ist öffentlich

Was die Schule, Schulleitende und die Lehrpersonen tun oder auch nicht tun: Sie senden permanent Signale und Botschaften, bewusst oder unbewusst. Sie sind – anders formuliert – immer auf Sendung… selbst wenn sie dies nicht wollen. Schule ist also immer öffentlich und Schulleitende und Lehrpersonen sind öffentliche Personen. Wenn Lehrpersonen innerhalb ihres Schulzimmers unterrichten, machen sie Öffentlichkeitsarbeit. Analog dem Satz von Paul Watzlawick «Man kann nicht nicht kommunizieren» kann man von der Schule sagen: «Schule, Schulleitende und Lehrpersonen können nicht nicht Öffentlichkeitsarbeit machen!»

Den Lehrpersonen ist es oftmals noch wenig bewusst, dass sie so öffentlich sind. Auch wenn Junglehrerinnen und -lehrer in der Grundausbildung ein vertieftes Verständnis von der Kommunikation erhalten, wird die konkrete Zusammenarbeit mit den Eltern kaum oder wenig thematisiert. Erste Elterngespräche erfolgen nach der Grundausbildung meist im Zusammenhang mit der ersten Arbeitsstelle. Hier treffen Junglehrerinnen und -lehrer dann auf Väter und Mütter, die bereits ihr drittes Kind in der Schule haben und über genaue Vorstellungen verfügen, was eine Lehrperson jetzt zu tun hätte. In einer solchen Situation eine gute Kommunikationskultur zu entwickeln, ist sicher nicht ganz einfach. Nur wenn sich die Lehrpersonen durch Grundsätze und Leitlinien der Schule gestützt fühlen, können sie in einer solchen Situation selbstbewusst, aber nicht überheblich, auftreten und ihren Standpunkt professionell einnehmen, dabei aber auch auf die Position der Eltern eingehen und deren Anliegen wirklich wahrnehmen. 

Lehrpersonen repräsentieren nicht nur sich selbst, sondern immer auch ihre Schule

So gilt es, unter Führung der Schulleitung Leitideen gemeinsam zu entwickeln, umzusetzen und zu leben. Im Dialog wird über die Feedbackkultur gesprochen und Feedbackverfahren werden festgelegt. Bereits im internen Umgang miteinander kann die Gesprächskultur geübt werden. 

 «Was die Schule, Schul­leitende und die Lehr­personen tun oder auch nicht tun: Sie senden ­permanent Signale und Botschaften, bewusst ­oder un­bewusst. Sie sind – anders formuliert – immer auf Sendung …»

An pädagogischen Konferenzen wird über didaktische und fachliche Themen gesprochen, gestritten und um einen Konsens gerungen. Aufgaben werden innerhalb des Kollegiums übernommen, Verantwortung wird übertragen und ein Controlling überwacht die Prozesse. Es gibt ein Leitbild, es gibt eine Qualitätsentwicklung, es gibt eine Linie, eine Haltung der Schule, die für alle Beteiligten spürbar ist und durchaus mitgeprägt werden kann und mitgetragen werden soll. Dies bildet die Grundlage für die persönliche Haltung jeder Lehrperson. Daraus kann jede Lehrperson Kraft schöpfen, um gegen aussen professionell in Erscheinung treten zu können. Aktive Kommunikation und ein offener Dialog gegen innen sind Stärkung für erfolgreiche Kommunikation aller an der Schule Beteiligten nach aussen.

Die Schule ist dann erfolgreich, wenn sie die Sympathie und das Vertrauen der Öffentlichkeit gewinnen kann, und die Schule braucht die Sympathie und das Vertrauen der Öffentlichkeit, wenn sie wirksam arbeiten will. Eltern sind ein Teil der Öffentlichkeit und für die Schule die wichtigste Dialoggruppe.

Kontakt mit der Öffentlichkeit z. B. am Elternabend

Lehrpersonen sind sich heute bewusst, dass sie am Elternabend im Rampenlicht stehen und ihr Auftritt beurteilt wird. So ist es zunehmend selbstverständlich, dass ein Elternabend nicht mehr durch eine Lehrperson alleine durchgeführt wird. Der Anspruch, allen Anforderungen alleine genügen zu müssen, kann so verteilt werden. Zudem ist die Lehrperson immer Spiegelbild der Schule, also hat auch die Schule ein Interesse, an jedem Elternabend möglichst positiv wahrgenommen zu werden.

Oft basieren Elternabende immer noch auf der Einwegkommunikation. Die anwesenden Eltern werden mit Informationen überschüttet. In Anlehnung an die aufgebaute Feedbackkultur innerhalb der Schule wäre es wichtig, wenn auch die Eltern zu Wort kommen könnten. Damit würde zumindest ansatzweise ein Dialog entstehen. Die Voraussetzungen dazu sind aber oft nicht einfach. Es gibt viele Eltern, die eine andere Sprachen sprechen und aus einem anderen Kulturkreis kommen und dadurch ein anderes Verständnis von Elternzusammenarbeit haben. Dann gibt es Eltern mit hohen Ambitionen oder Eltern, die selber keine guten Schulerlebnisse hatten etc. Trotz aller Schwierigkeiten, die es dabei zu überwinden gilt, sollen sich Eltern am Elternabend in angemessener Form aktiv einbringen können.

Eltern in ihrer Selbstverantwortung stärken 

Wenn Eltern spüren, dass sie als Fachexperten für ihre Kinder ernst genommen werden und auch etwas Konkretes zum schulischen Erfolg ihres Schützlings beitragen können, entpuppen sie sich als sehr wertvolle Mitakteure im pädagogischen Bildungsprozess. Ihr Beitrag muss ihren Ressourcen aber entsprechen, und da ist die Lehrperson gefordert, diese im Kontakt mit den Eltern zu erkennen.

Eine gelingende Zusammenarbeit und eine hohe Zufriedenheit von Schule und Eltern bringen gegenseitige Entlastung und wirken sich positiv auf die Schülerinnen und Schüler aus, wie Studien zeigen (z.B. Markus Neuenschwander, 2010).

Schule sollte agieren, nicht reagieren

Viele Schulen haben heute ein eigenes Kommunikationskonzept, oft entstanden aus dem Bedarf nach einem Krisenkonzept. Darin spielen bestehende Vorgaben, Ordnungen, Funktionendiagramme und das Leitbild eine wichtige Funktion als Basis. Wenn im Leitbild schon etwas über Kommunikation mit Eltern steht, kann das für eine differenziertere Beschreibung der Kommunikationsgrundsätze sehr hilfreich sein. Verbindliche Kommunikationswege und -aktivitäten geben Sicherheit für das Agieren und es lassen sich z.B. Antworten auf Fragen finden:

  • Mit welchen Kommunikationsformen und -mitteln wird mit Eltern kommuniziert?
  • Welche Informationen können auf der Schulebene veröffentlicht werden und entlasten die Elterngespräche?
  • Welcher Instanzenweg gilt für Eltern bei Anfragen und Problemen?

 

Fazit: Gute Aussenwirkung ­der Schule als gesamte Organisation beginnt mit dem Aufbau einer aktiven und ­offenen Kommunikationskultur und mit gut funktionierenden Strukturen ­nach innen. Damit kann gleich be­gonnen werden und die Arbeit endet nie. ­Alle Akteure in ­Schule, Tages­schule und Bildungskommissionen sind ge­fordert und können ihren Beitrag in ihrer Funktion auf strategischer und opera­tiver Ebene einbringen. ­Alleine schafft niemand eine gute Aussenwirkung, zusammen aber schon! 

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