farbwelt

Verblüffende Ergebnisse

Mit Strukturbildern die Kommunikation zentrieren

In einer Gruppe sachbezogen zu kommunizieren, ist anspruchsvoll – aber lernbar. Ein Einblick in die permanente Aufbauarbeit im Deutschunterricht der Klasse 7b.

Therese Grossmann

Die heutige Gruppenarbeit wurde nicht nur von der Lehrerin Regula Hertig vorbereitet, sondern auch von den Schülerinnen und Schülern: Zuhause haben sie je einen anderen Sachtext über Wale gelesen, wesentliche Stellen markiert, eigene Zwischentitel als Randnotizen festgehalten und den Inhalt schriftlich zusammengefasst. Zudem haben sie aus der Reflexion der letzten Gruppenarbeit individuell zwei Ziele notiert, an denen sie heute arbeiten wollen.

Die Gruppenarbeit strukturieren

In der Vierergruppe werden zuerst die Rollen verlost, es gibt die Gesprächsleiterin, den Fahrplanüberwacher, die Regelbeobachterin und den Zeitmanager. Diese Zuteilung hilft, dass jedes Gruppenmitglied Verantwortung für das Gelingen der Arbeit übernimmt und dass ohne grosse «Diskussionen» (wer kennt sie nicht, die endlosen Ausweichmanöver vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn?) gestartet werden kann. Lara als Gesprächsleiterin leitet dazu an, dass immer zwei Mitglieder einander ihre Ziele für die Arbeit in der Gruppe mitteilen, mit dem Anspruch auf ein späteres Feedback. Nun lesen reihum alle die Zusammenfassung ihres Textes vor. Als Regelbeobachterin weist Yola einen Knaben darauf hin, dass eine Zusammenfassung nur die wesentlichsten Punkte enthalten dürfe.

Der Gruppe seinen Text ­zugänglich machen

Jetzt wird das Strukturlegematerial aus der Compad-Schachtel ausgepackt. Jede Schülerin, jeder Schüler wählt Figuren, Knete und weitere Materialien, um den Inhalt des Sachtextes zuerst einmal für sich selbst darzustellen. Es wird rasch und konzentriert gearbeitet, ab und zu gibt es Selbstgespräche wie zum Beispiel: «Ich muss irgendwie den Luftsprung darstellen» oder «Soll ich wohl das Gruppenverhalten der Wale mit Spielfiguren zeigen?». Ein Knabe hat sehr schnell einen Wal aus blauer Knete geformt, nun weiss er nicht mehr weiter und richtet sich deshalb an die anderen: «Hat jemand nichts zu tun, kann mir jemand helfen?» Er bekommt Hilfe von der Gesprächsleiterin, die ihm rät, in seinem Text nochmals die markierten Stellen zu lesen. Es geht nicht lange, da arrangiert der Knabe neben seinem Wal Streichhölzchen und Glasperlen. Jedes Gruppenmitglied erläutert nun den anderen sein Strukturbild und referiert so den Inhalt seines Textes. Sarah liefert dabei sogar eine kleine Animation: Aus gelber Knete hat sie Schallwellen geformt, die sie in Richtung eines Gegenstandes und von diesem wieder wegbewegt. Silvan zeigt auf einen Kreis aus Spielfiguren mit einer kleinen Form aus Knete in der Mitte und kommentiert: «Die Wale können zusammen flüchten, dabei nehmen sie das Baby in die Mitte.»

Der Klasse die Inhalte aus der Gruppenarbeit präsentieren

Das heutige Ziel der Gruppenarbeit ist anspruchsvoll: Anhand der Compad-Bilder (die als eine Art Spickzettel fungieren) soll jedes Gruppenmitglied seinen Text und die Texte der anderen Gruppenmitglieder der Klasse präsentieren können. Für die Vorbereitung bedeutet das, dass reihum alle vier Mitglieder ein Übungsreferat halten. Mit grosser Selbstverständlichkeit bieten die jeweiligen Textexperten Unterstützung an.

Für die Präsentation hat sich die Klasse um den Gruppentisch versammelt. Die Lehrerin bestimmt den Präsentator. Während des Referats wird deutlich, dass die Compad-Bilder nicht nur zur klaren Darlegung der Inhalte beitragen, sondern auch zu einprägsamen Vergleichen führen wie zum Beispiel: «Bei der Paarung verhalten sich die Wale ein wenig wie Machos» oder «Buckelwale sind Meistersinger wie Michael Jackson». In einer der nächsten Deutschstunden sollen anhand der fotografierten Strukturbilder die Inhalte der verschiedenen Texte nochmals abgerufen werden.

Einander Feedback geben

Dass sich die Schülerinnen und Schüler gewohnt sind, einander nach einer Arbeit Feedback zu geben, zeigt sich darin, dass sie dazu das Werkbuch aus «Sprachwelt Deutsch» kaum mehr benötigen und auffallend zügig mit dem Schreiben der Rückmeldung beginnen. Sie kommentieren die beiden Ziele, die ihnen bei Arbeitsbeginn von einem Gruppenmitglied mitgeteilt wurden. Yola schreibt: «Ich finde, du hast gut gearbeitet und bist nur selten vom Thema abgewichen. Allerdings ist mir am Anfang eine Phase aufgefallen, in der du nicht genau gewusst hast, was du tun wolltest.» Der Unterricht schliesst mit einer kurzen emotionalen Bewertung der heutigen Gruppenarbeit. Es zeigt sich deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler die heutige Arbeit an Sachtexten in der Gruppe als sinnvoll erlebt und gerne gemacht haben.

Über eine Stunde lang haben diese Schüler­innen und Schüler in der Gruppe ziel­orientiert und kooperativ gear­beitet. Sie haben sich einander klar und verständlich ­mitgeteilt. Und sie haben einen wesentlichen Aspekt der Kommunikations­kultur gezeigt, der manchmal noch in Erwachsenen­gruppen fehlt: Sie sind bei der ­Sache geblieben und haben ihre Kommunika­tion inhaltlich zentriert.

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