farbwelt

Sich schrittweise verbessern lernen

Kriterien sind das A und O

Schülerinnen und Schüler, die eine Karikatur lesen können, gewinnen eine neue Sichtweise auf ein Thema. Ein Beurteilungsanlass in der Klasse 3B, Sekundarschule Dietlikon.

Therese Gossmann

Schon beim Betreten des Schulhauses wird klar, dass hier Offenheit und Transparenz wesentlich sind: Auf einer Leuchttafel erscheint nicht nur der Zimmerplan der Klassen und Lehrpersonen, sondern auch das Motto «Lernen ist Konzentration». Alle Türen stehen offen, sodass der Unterricht sichtbar und hörbar ist. Im Zimmer der Klasse 3B weisen Lernspuren auf das Thema «Jugendsprache» aus «Sprachwelt Deutsch» hin, in einem Wandtafelprotokoll steht eine Kurzanleitung zum Lesen von Karikaturen. Zu Beginn des Unterrichts zeigt André Käser eine politische Karikatur. Mithilfe der Anleitung an der Wandtafel entwickelt sich nach und nach das Klassengespräch über die Karikatur.

Mit Kriterien die Aufgabe klären

Nach dieser Einstimmung erhalten die Schülerinnen und Schüler den Auftrag, sich zu der Jugendsprache-Karikatur von Orlando zu äussern, die sie bereits aus einer früheren Lektion kennen. Jede Schülerin, jeder Schüler soll im Informatikraum eine Tonaufnahme machen, die der Lehrer dann beurteilt. Als Leitfaden dient die in «Sprachwelt Deutsch» mitgelieferte Kriterienliste zu diesem Auftrag. André Käser hat bei seiner Vorbereitung einzelne Kriterien verändert, um sie den aktuellen Unterrichtszielen anzupassen. «Nach diesen Kriterien werde ich euren gesprochenen Text beurteilen», informiert der Lehrer und betont damit die Verbindlichkeit der Liste. Beim Besprechen der Kriterien tauchen nur wenige Fragen auf, eine Schülerin will sicher sein, ob Mimik «im Gesicht» sei und Gestik «in den Händen». Ein Schüler versteht den Unterschied zwischen «erklärt» und «beschreibt» nicht gut. Die sprachlichen Kriterien veranschaulicht der Lehrer mit Beispielen: «Ich möchte wissen, was ihr zu dieser Karikatur zu sagen habt. Ich möchte euch verstehen, deshalb müsst ihr deutlich sprechen.»

Mit Kriterien am Produkt arbeiten

Auf die Tonaufnahme bereiten sich die Schülerinnen und Schüler schriftlich vor. Es ist ihnen freigestellt, ob sie den Text ganz aufschreiben oder sich nur Notizen machen wollen. Als Hilfsmittel dient ihnen auch die Arbeitstechnik «Eine Karikatur lesen» aus dem «Sprachwelt»-Werkbuch. Es wird sehr ruhig und äusserst konzentriert gearbeitet, die Schülerinnen und Schüler wechseln immer wieder zwischen drei Tätigkeiten: Karikatur anschauen, Kriterienliste lesen, Text schreiben. Nun tauchen doch noch Fragen und Unsicherheiten auf, die mit dem Lehrer besprochen werden möchten: «Ich weiss nicht, was ‹Beschreibt die Komik der Situation› heisst.» «Ist ‹sich nicht kennen› eine Beziehungsbeschreibung?» Für André Käser ist es wesentlich, in dieser Phase als Coach zur Verfügung zu stehen, einerseits um für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen, andererseits um auf Anfragen zu reagieren. «Ich will die Schülerinnen und Schüler in einer Beurteilungssituation nicht ins Messer laufen lassen», kommentiert er seine Rolle. Im Informatikraum setzen sich die Schülerinnen und Schüler je an einen Computer und schalten ihre eigene Seite auf. Sie erhalten Instruktionen, wie sie ihre Tonaufnahme auf der Website www.recarena.ch machen und dann ihrem Lehrer mailen können. 

Mit Kriterien überarbeiten

Es fällt auf, wie die Schülerinnen und Schüler kurz vor der Aufnahme nochmals die Kriterien überprüfen, insbesondere nun auch die sprachlichen. Darauf angesprochen erklärt ein Knabe, er habe ganz am Anfang des Auftrags mal alle sprachlichen Kriterien gelesen, weil die ja für den ganzen Text gültig seien. Dann habe er die Kriterienliste wie eine Gebrauchsanweisung benutzt, um den Sprechtext zu entwerfen, und nun überprüfe er nochmals die sprachlichen Kriterien. Eine Schülerin ist schon daran, das Mikrofon für die Aufnahme auszurichten, als sie doch noch einen Blick auf die Kriterienliste wirft und dann wieder am Text schreibt. Im Klassenzimmer war sie überzeugt fertig zu sein. Nun scheint sie das Kriterium «Nimmt Stellung zur Karikatur» ausbauen zu wollen. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die schon mit der ersten Aufnahme zufrieden sind, andere wiederholen die Aufnahme mehrmals, feilen noch am Text bzw. an der Aussprache. Offenbar kann das Anhören des Textes die Ansprüche an sich selbst erhöhen. 

Mit Kriterien rückmelden

Gegen Ende des Morgens hat der Lehrer alle gesprochenen Texte in seiner Mailbox. Er wird sich die Texte anhören und auf der Liste jeweils ankreuzen, ob das Kriterium erfüllt ist. Die Schülerinnen und Schüler erhalten das Blatt mit den Kriterien und mit einer Note zurück. Die Kriterien dienen der Kommunikation über die geleistete Arbeit und über die Weiterarbeit, die Note kommt in das Notenverzeichnis des Lehrers.

AnhangGröße
PDF icon Download dieses Beitrags (PDF)567.18 KB
Themengebiete: