farbwelt

Hypothese und Wirklichkeit

Wer unterrichtet hier?

Schulzimmer

Wen eine Unterstufenlehrerin hier vermutet:

In diesem freundlichen Schulzimmer vermute ich eine dritte Klasse. Dies schliesse ich aus den Merkplakaten zu den Hohlmassen, Längen und Gewichten oder den Zeitformen an der Wand. 

Ich denke, dass hier eine männliche Lehrperson unterrichtet. Er ist naturverbunden, mag Tiere, ist musikalisch und zwischen 40 und 50 Jahre alt. 

Die Pulte sind so ausgerichtet, dass alle Kinder zur Wandtafel sehen. Hier findet wahrscheinlich ein strukturierter und zielorientierter Unterricht statt. Die Kinder kennen die Hausaufgaben schon Anfang Woche. Sie wissen, was sie erwartet, oder können sich bei Unsicherheiten beispielsweise an den Merkplakaten orientieren. Die Schülerinnen und Schüler lernen auch in Gruppen oder holen sich selbstständig in bereitgestellten Fachbüchern Informationen zum jeweiligen Thema. 

Die Schreibunterlagen sind von den Kindern farbig und individuell gestaltet. Auffällig sind die bunten Tintenlappen, die an manchen Pulten hängen. Vermutlich wurden sie in Absprache mit der Lehrperson im Gestalten hergestellt. Die Lehrperson legt Wert auf Ordnung. Die Sachen im Zimmer haben alle ihren Platz. 

Es gibt nur wenige Schülerpulte. Möglicherweise ist die Schule wegen der geringen Schülerinnen- und Schülerzahlen sogar gefährdet. 

Der Kreis mit den Bänken und dem Korbstuhl sieht gemütlich aus. Da trifft sich die Klasse zum Einstieg mit einem Lied − begleitet von der Lehrperson auf der Gitarre oder auch von einer Playback-CD − oder zum Abschluss beim Vorlesen. Ich kann mir auch vorstellen, dass kleine gemeinsame Sequenzen wie zum Beispiel Erklärungen oder der Austausch von Ergebnissen in diesem Sitzkreis stattfinden.

Der Blick aus den Fenstern ist idyllisch. Dieses Schulhaus befindet sich auf dem Land. Die Umgebung lädt zum Spielen und Herumrennen ein. 

Rahel Campagnola

 

Die hier Unterrichtenden über ihr Schulzimmer: 

Unser Schulzimmer befindet sich im Schulhaus Wilen in Walzenhausen, eingebettet im Grünen. Ein wunderschöner Spielplatz lädt zum Verweilen ein und der Schulgarten direkt neben dem Schulhaus bietet viele Möglichkeiten zum Lernen in der Natur.

Hier unterrichten wir – eine erfahrene Primarlehrerin und eine genauso erfahrene Heilpädagogin – am liebsten als Team.

Für uns ist es wichtig, dass sich unsere Dritt- und Viertklasskinder wohlfühlen und von den zwei Jahren in diesem grosszügigen und hellen Schulzimmer profitieren können. Das Individualisieren wird bei uns grossgeschrieben. Seit wir mit Mathe- und Deutschplänen arbeiten, können wir viel besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingehen. Dies ist zu vergleichen mit dem Schwimmunterricht: Wer schon schwimmen kann, darf losschwimmen. Den anderen werden Schwimmhilfen angeboten. Auch integrierte SonderschülerInnen müssen sich so nicht ausgegrenzt fühlen.

Der grosse Raum bietet viele Möglichkeiten, mit Spielen und Lernmaterialien zu hantieren. Die vier Computerplätze werden regelmässig genutzt und sind eine zeitgemässe Herausforderung. Eine optimale Abwechslung zum Sitzen am Pult stellt der Sitzkreis dar. Hier werden Geschichten erzählt, Texte vorgelesen, es wird gespielt, diskutiert und im Klassenrat nach Lösungen gesucht. 

Zwischen den Lektionen haben die Kinder Zeit, eine kleine Pause zu machen. Dann findet man sie oft im Spiel- und Lernlabor mit Leseecke, das sich in einem kleinen Nebenraum befindet. Dort können die Kinder selbstgesteuert lernen und spielen. Hier findet jedes Kind eine Herausforderung auf seinem Niveau. Der Unterricht ist jedoch nicht allein auf das Schulzimmer beschränkt. Wir nutzen den Gang, den Werkraum, die Küche, den Mittagstisch und bei schönem Wetter lernen wir auch draussen. 

Iris Bilger und Käthy Zahlen

Die beiden Texte sind völlig unabhängig voneinander entstanden. Für die Aussensicht standen ausser den beiden Bildern keine weiteren Informationen zur Verfügung.

 
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