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Die Lehrperson als…

Im Wechselspiel der Rollen

Im soeben erschienenen didaktischen Handbuch zu Mille feuilles werden die unterschiedlichen ­Rollen der Lehrperson im Fremdsprachenunterricht in einem eigenen Kapitel thematisiert.

Peter Uhr

Schon bei der Auflistung der verschiedenen Aspekte pädagogischen Handelns wird deutlich, dass die Lehrperson mal organisierend und steuernd im Zentrum steht, dann wiederum in den Hintergrund tritt und als Coach nur dann eingreift, wenn Lernende gezielte Unterstützung brauchen:

  • Die Lehrperson als Organisatorin der Klassenzimmeraktivitäten
  • Die Lehrperson als Moderatorin des Klassenzimmergeschehens
  • Die Lehrperson als facilitator der Lernprozesse
  • Die Lehrperson als Beraterin der Lernenden bei Lernproblemen
  • Die Lehrperson als Wissensquelle

Die fett markierten Rollenaspekte werden in den nachfolgenden Beispielen transparent gemacht.

Die Lehr- und Lernmaterialien Mille feuilles sind so angelegt, dass das selbstständige Arbeiten der Lernenden gefördert wird. Sämtliche Materialien befinden sich in den Händen der Lernenden. Somit verfügen diese auch über Planungs-, Reflexions- und Evaluationsinstrumente. Die Aufgaben sind schrittweise angeleitet und oft für Partner-oder Gruppenarbeiten angelegt. Diese starke Betonung der Lernerorientierung soll aber nicht zum falschen Schluss führen, Mille feuilles sei eine Art Selbstlernprogramm, das die Lernenden ohne Unterstützung der Lehrperson erfolgreich durchlaufen könnten. Im Gegenteil – die Aufgaben, welche die Lehrperson wahrnehmen muss, um Lernprozesse anzuregen und im Spannungsfeld von Individualisierung und Vergemeinschaftung zu steuern – sind vielfältig und spielen für das Gelingen eine wesentliche Rolle. Das Handbuch gibt nun Erläuterungen und Beispiele, welche die Lehrperson beim Organisieren, Moderieren und Erleichtern von Lernprozessen ebenso unterstützen wie beim Wahrnehmen ihrer Rollen als Beraterin oder als Wissensquelle.

Die Lehrperson als Organisatorin

Die Lehrperson gestaltet zu Beginn eines neuen parcours (eine mehrwöchige thematische Lernphase) den Einstieg in das neue Thema, klärt mit den Lernenden die tâche genannte Aufgabe, welche am Ende des Lernwegs bearbeitet wird, und unterstützt die Lernenden dabei, einen Überblick über den parcours und die zu erreichenden Lernziele zu gewinnen. Sie zeigt den Lernenden auf, wo Wahlmöglichkeiten bestehen oder individuelle Lernwege wahrgenommen werden können. In dieser Eröffnungsphase nimmt sie ihre Rolle als Organisatorin wahr, indem sie Transparenz schafft und den Lernenden eine Übersicht über die kommende Lernphase ermöglicht. 

Geführte Unterrichtsformen sind besonders zu Beginn eines parcours (siehe oben) und in Phasen, in denen Lernende zu Sprachentdeckungen angeleitet werden, sinnvoll. Oft kommen hier Arbeitsformen des kooperativen Lernens zum Zug wie zum Beispiel das Grundprinzip D-A-V (Denken – Austauschen – Vorstellen). Dabei moderiert die Lehrperson den Unterricht. Sie kann sich von den Vorschlägen im fil rouge leiten lassen.

Die Lehrperson als Moderatorin

Die handlungsorientierte Unterrichtsmethode «Lernen durch Lehren» wird in Mille feuilles in einzelnen kurzen Unterrichtssequenzen und teilweise in grösseren Projekten umgesetzt. Wenn Schülerinnen und Schüler die Lehrerrolle übernehmen und ihr erarbeitetes Wissen weitergeben, intensivieren sie die eigenen Lernprozesse. Bei diesem methodischen Zugang unterstützt die Lehrperson die Lernenden vor allem bei der Organisation des Unterrichts und berät sie in inhaltlichen und didaktischen Fragen.

Die Lehrperson als Beraterin

Beim Bearbeiten eines parcours werden die Lernenden von der Lehrperson begleitet. Sie behält den Überblick über das Klassenzimmergeschehen, beobachtet einzelne Lernende oder Gruppen, schaltet sich bei Bedarf ein, unterstützt sie in der sozialen Interaktion und berät sie bei der Gestaltung der eigenen Lernprozesse. 

Am Ende einer Lernphase werden in Mille feuilles verschiedene Reflexions- und Evaluationsinstrumente angeboten wie Zoom (siehe unten), revue (ein eigenes Nachschlage- und Portfolio-Heft), Raster zur Selbst- und Co-Evaluation, formative und summative Evaluationsaufgaben. Auch werden Hinweise für die Verwendung des Sprachenportfolios gegeben.

Es ist Aufgabe der Lehrperson, die Lernenden in Reflexionsprozessen anzuleiten, sie zu unterstützen, Reflexionsfragen auszuwählen und zu bearbeiten. Von Zeit zu Zeit kann die Lehrperson mit einzelnen oder Gruppen von Lernenden ein Gespräch über Lernerfahrungen, Lernfortschritte und individuell gewählte Lernziele führen und damit die Schülerinnen und Schüler unterstützen, ihr Lernpotenzial auszuschöpfen. Sie nimmt dabei ihre Rolle als Lernberaterin wahr. 

Die Beispiele zeigen, wie fliessend die verschiedenen Funktionen und Rollen einer Lehrperson in einem über eine oder mehrere Lektionen verlaufenden Unterrichtsgeschehen sind. Führung in der einen oder anderen Form wird immer wahrgenommen. Nur ist das nicht immer mit geführtem Unterricht gleichzusetzen. Das wird dann sehr deutlich in einem weiteren Kapitel des Handbuchs, das der Lernerorientierung gewidmet ist. Gleich am Anfang dieses Kapitels wird dieses Konzept wie folgt umschrieben: «Lernerorientierung bedeutet, dass Unterricht auf den Schüler ausgerichtet ist, auf seine Interessen und auf seine Fähigkeiten. Lernerorientierung bedeutet aber auch, dass dem Lernenden Gelegenheit gegeben werden soll, sein Lernen möglichst selbstständig zu gestalten, die entwickelten Kompetenzen im Unterricht zu erproben und, wenn möglich, auch eigenständig zu evaluieren.»

Weitere Informationen finden sich unter: www.1000feuilles.ch 

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