farbwelt

Schlüsselkompetenz «Perspektivenwechsel»

2006.03: … «anderersights»

… unsererseits

 Verlagsleiter **schulverlag** blmv AG

Peter Uhr
Verlagsleiter schulverlagblmv AG

 

Mit der Juni-Ausgabe 2006 haben wir einen ersten Zyklus von sechs «profi-L»-Magazinen abgeschlossen. In diesen sechs Heften haben wir versucht, eine Auslegeordnung wichtiger didaktischer Grundpfeiler eines zeitgemässen Unterrichts vorzulegen. Die Themen waren: Konstruktivismus, entdeckendes Lernen, Selbstverantwortung und Partizipation, Heterogenität, das Üben sowie Lernbegleitung. Im Frühling 2007 werden wir diese Ausgaben für Interessierte in Form eines Sammelbandes herausgeben.

Mit dieser Nummer eröffnen wir einen neuen Sechserzyklus zu zentraler Schlüsselkompetenzen. Diese wollen wir sowohl aus Sicht der Lehrenden als auch aus dem Blickwinkel der Lernenden heraus beleuchten. Den Anfang machen wir mit der Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Wie sich diese Fähigkeit einsetzen und fördern lässt, illustrieren wir anhand von Situationen und Beispielen aus verschiedenen Fächern und Stufen. Warum aber zählen wir die Kompetenz, andere Perspektiven einzunehmen, zu den wesentlichen Schlüsselqualifikationen für eine erfolgreiche Lebensgestaltung in Privatleben, Schule, Gesellschaft und Wirtschaft?

Die Perspektive hat in der bildenden Kunst erst relativ spät Einzug gehalten. Ebenso ist das Bewusstsein, dass es nicht Ketzerei oder böser Wille ist, wenn ein anderer Mensch die gleiche Sache unter einem anderen Blickwinkel betrachtet, eine recht junge Errungenschaft unserer Gesellschaft. Wegen der grossen Heterogenität in unseren Schulen, aber auch aus didaktischen Gründen wird es immer natürlicher, einen Gegenstand, ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, versuchsweise einen anderen, vielleicht fremden Standpunkt einzunehmen, im bewussten Perspektivenwechsel mehr über die Sicht anderer und die eigene Bedingtheit zu erfahren. Nicht zuletzt lernen wir dabei neue Möglichkeiten und Handlungsoptionen kennen. Unsere Wahrnehmung wird facettenreicher und vielgestaltiger, unser Repertoire reichhaltiger und unser Urteil breiter abgestützt.

Nun zu einem Perspektivenwechsel in eigener Sache: Nicht alle sind begeistert, wenn davon die Rede ist, der schulverlag könnte in absehbarer Zeit verkauft werden. Die in Sorge um das Fortbestehen des Verlags und seiner ideellen Ausrichtung geäusserten Argumente können wir – Perspektivenwechsel – gut verstehen. Aber wir sind keine Opfer einer «von oben» gesteuerten Entwicklung, sondern der schulverlag selbst strebt seit Jahren eine grössere Autonomie an, wünscht sich neue Handlungsspielräume.

Der Kanton Bern als bisheriger Alleininhaber will glücklicherweise eine Lösung, die es erlaubt, den bisherigen programmatisch und wirtschaftlich erfolgreichen Kurs fortzusetzen. Da wir beide Seiten, die öffentlich-rechtliche wie die privatwirtschaftliche gut kennen und beiden Gutes abgewinnen können, wird unsere Perspektive darin liegen, das Beste der beiden «Welten» in einem neuen Verlagsmodell zu versöhnen. Die Fähigkeit zum fortgesetzten Perspektivenwechsel könnte sich dabei als hilfreich erweisen. Als «profi-L»-Leserin oder -Leser werden Sie aus erster Hand über die weitere Entwicklung informiert sein.

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